FRIEDMAN Weekly #87 - Neue Playlist? Warum nicht Spielliste?

Ich und deutsche Musik verstehen uns nicht besonders gut.

Ich empfinde deutsche Musik als häufig unnötig pseudo-lyrisch und tiefsinnig, wo kein Sinn ist. Immer etwas gezwungenes und gewollt, nicht wirklich gekonnt.

Und doch sind es gerade deutschsprachige Lieder, die mich am stärksten packen.

Das liegt vermutlich daran, dass es keine Sprache vermag einen so emotional zu erwischen wie die Muttersprache. Später erlernten Sprachen fehlt immer eine gewisse Kommunikationsebene.

Nach der "New York, New York" gibt's heute eine "Berlin, Berlin"-Playlist.

Nur deutsche Musik. Jaja, ich kann das. Wenn auch sehr, ja, ernst, anstatt locker-flockig wie sonst.

Zur Playlist "FRIEDMANBERLIN - Berlin, Berlin"
  1. Zuhause - Fynn Kliemann
    Erstmal ein langsamer Einstieg. Was ein schönes Lied. Neben dem grandiosen Refrain ("Ich bin riesig, aber du viel größer als ich") begeistert mich das Ende. Der eine immer unter Strom, der andere bodenständig mit Charakter. Der Hochhinauswoller schätzt das umso mehr. Er ist sich seiner Hybris bewusst.

    "Ich will so viel. Du bringst mir bei, dass das Leben manchmal reicht.
    Immer hektisch nach außen, ich mache mit dir heimlich Pause.
    Ich wollt dir nur sagen: ich komm gern nach Hause."

     
  2. Oft gefragt - AnnenMayKantereit
    Die Jungs sind kein Geheimtipp mehr. Sie spielen auf den größten Bühnen. Überraschung: es geht wieder ums Zuhause. Ein positiver, dankvoller Song über eine sich aufopfernden Mutter. Oder Vater?

    "Ich hab keine Heimat. Ich hab nur dich.
    Du bist zu Hause, für immer, und mich."

     
  3. Meteoriten - Yassin
    Über das Gefühl, jemanden zu enttäuschen, ohne zu wissen, was zu tun oder zu sagen ist. Wohlwissend, dass es das noch schlimmer macht. Typisch deutsch theatralisch, ernst. Aber der Refrain haut dich um. Schön komponiert und produziert. Harter Tobak.

    "Jedes deiner Fragezeichen ruft nach Hilfe.
    Ich wünschte, ich hätte mehr für dich als Stille.
    Denn ich sehe im Augenwinkel
    Es regnet Meteoriten und Atombomben vom Himmel.
    Sekunden rennen mir davonund ich weiß nicht was ich sagen soll."
     
  4. Fast Forward - Trettmann, Kitschkrieg, Marteria
    Keine Playlist ohne Hiphop von Friedemann. Ein entspanntes Lied von Trettmann mit Marteria. Es handelt von Momenten, die für immer bleiben, auch, wenn man zwischen Lebensabschnitten "Fast forward" drückt. Andere Zeit und die Freunde sind dieselben.

    "Komm, wir fahren um den Block.
    Mit den Jungs an meiner Seite.
    Fast forward,
    Immer noch das gleiche."

     
  5. Verliebt - Antilopengang
    Ich finde Antilopengang so... Mal so mal so. Zu aufgesetzt. Vielleicht gefällt mir "Verliebt" daher so gut, weil es authentisch klingt. Unterhaltsam, traurig, schön.

    "Also laufe ich so schnell ich kann bis ans Ende der Welt
    Denn ich hab Angst, dass du was dummes sagst, das mir nicht gefällt.
    Solltest du mich finden, will ich nichts hören.
    Nur ein dummer Satz würde alles zerstören.
    Dann wär ich nicht mehr verliebt in dich, dann wär ich nicht mehr verliebt."

     
  6. LED Go - Bilderbuch
    Ich weiß nicht, wie ich Bilderbuch einordne. Ich mag die Musik. "Bitcoins sind die Zukunft, und ich bin nicht dabei". Verstehe ich. Das Lied beweist, dass das Leben weitergeht, auch wenn man nicht alles mitmacht. #FOMO und so. Oder Dinge sich unerwartet ändern. So what. Passt. Kann man nichts dran machen. Ist OK.

    "Du hast große Zukunft.
    Ich bin nicht dabei.
    Viel zu viel Esprit,
    ich glaub, ich bleib daheim."

     
  7. Westkreuz - Von Wegen Lisbeth
    Aufmerksame Hörer wissen, dass Von Wegen Lisbeth hier schon mal vorkam. Sie haben eben ein neues Album rausgebracht und "Westkreuz" gefällt mir am besten.

    "Es wird sich einiges ändern.
    Der Döner ist jetzt ein Friseursalon - und du weißt nichts davon.
    Doch der Fahrstuhl am Westkreuz riecht noch immer nach Pisse
    Und du weißt nicht wie doll ich dich vermisse."

     
  8. Siasse Tschik - 5/8erl in Ehr'n
    Fällt das noch unter deutschsprachig? ;-) Wiener Schmäh hat auch was. Heute kein Yung Hurn, heute 5/8erl in Ehr'n. Entspannt zum Ausklang der Playlist.

    "I was ned warum du mi immer so ogehst
    wannst auf a Unikat stehst.
    Let's chill und gib da die Ehre
    anstatt das'd unnötig stresst"

    (Übersetzung:
    "Ich weiß nicht, warum du mich immer so anmachst
    wenn du auf ein Unikat stehst.
    Lass uns chillen und gib dir die Ehre
    anstatt dass du unnötig stresst")


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